Cybermobbing - Schule am Hasenhegerweg

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Cybermobbing

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Bericht über die Interne Evaluation der Schule am Hasenhegerweg im Schuljahr 2013/14

1. Anlass

Ende des Schuljahres 2012/13 wurden in zwei Klasse unserer Schule Fälle von Mobbing bzw. Cybermobbing bekannt. Nachdem die Klassenlehrerinnen gemeinsam mit den Schülern und Kollegen die Probleme in den Klassen lösen konnten, haben wir uns als Schule veranlasst gesehen, zu überprüfen, ob wir unserem Anspruch aus dem Schulprogramm
“Wir legen Wert auf ein friedliches Zusammenleben und einen freundlichen und respektvollen Umgang miteinander...”
in vollem Umfang gerecht werden.
Zudem findet sich in der Handreichung Handlungsrahmen Schulqualität im Qualitätsbereich 2, Schule als Lebensraum folgende Aussagen:
“Demokratieerziehung: … Die Mitglieder der Schulgemeinschaft begegnen sich unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, sozialem Status oder sexueller Orientierung respektvoll und wertschätzend...Die Schule positioniert sich bewusst gegen Diskriminierung...Die Schule unterstützt Schülerinnen und Schüler, die Gewalt, Diskriminierung oder Mobbing erfahren.”

2. Fragestellung:
Inwieweit sind unsere Schüler und Schülerinnen vom Mobbing und Cybermobbing betroffen?


3. Ziel
Falls notwendig Etablierung sinnvoller und präventiver Interventionsmaßnahmen zur Reduzierung von Mobbing und zur Stärkung der sozialen Kompetenz im Umgang mit Konflikten wie Mobbing /Cybermobbing.
Die Überprüfung, ob dieses Ziel erreicht wurde, soll durch einen 2. Fragebogen erfolgen.

3. Durchführung
Die Durchführung des Evaluationsvorhabens wurde von einer regelmäßig tagenden Arbeitsgruppe inhaltlich abgestimmt und strukturiert.
In einem ersten Schritt haben sich alle Kolleginnen und Kollegen in verschiedenen Arbeitsgruppen zum Thema Mobbing/Cybermobbing sachkundig gemacht.
Anschließend entwickelte die Arbeitsgruppe einen Fragebogen zur Erfassung des Ist-Zustandes an unserer Schule.
Im nächsten Schritt wurden nach der Auswertung des Fragebogens für die einzelnen Klassenstufen auf einer Dienstberatung folgende Maßnahmen verabredet:
- Lesen spezieller Ganzschriften zu dem Thema
- Informationsveranstaltungen mit der Polizei
- Rollenspiele
- Elterninformationsveranstaltung
- Arbeit auf den Seiten von www.klicksafe.de
- Erhöhung der Medienkompetenz

Beteiligt waren an dem Prozess:
- Schulleitung
- ESL
- Lehrer
- Schülerschaft
- Erziehungsberechtigte
- Polizei, (Präventionsbeauftragte)
Nach der 3-monatigen Interventionsphase wurde eine zweite anonyme Befragung durchgeführt, diese ausgewertet und nächste Schritte vereinbart.

4. Methoden und Instrumente
Gleich nach Schuljahresbeginn 2013/14 wurde vom 12. bis 17. August 2013 in allen Klassen der Schule eine schriftliche, anonyme Befragung in Form eines Fragebogens durchgeführt (siehe Anlage 1 ).
Nach der Auswertung und Analyse der Erhebung wurden in den Monaten September, Oktober und November 2013 umfangreiche schulische Maßnahmen beschlossen und durchgeführt (siehe Anlage 2, 3, 4, 5, 6).
Um den Erfolg der Interventionsmaßnahmen zu überprüfen, wurde im Dezember 2013 eine zweite anonyme Befragung durchgeführt (siehe Anlage 7).

5. Ergebnisse
Die Auswertung der 1. Befragung ergab folgendes Bild:

Die Mehrheit unserer Schüler ist im Internet aktiv und verbringt regelmäßig, d.h. täglich, Zeit damit. Auffällig ist der hohe Wert von bis zu vier Stunden in der 6. Klasse.
Zum Thema „Fühle ich mich sicher?“ gibt die überwiegende Anzahl aller Schüler ein positives Feedback. Unsicherheiten bestehen vor allem in den Klassenstufen 4-7.  Diese beziehen sich deutlich auf die großen Pausen und vereinzelt auf das Zeitfenster, welches beim Lehrerwechsel zwischen den Stunden besteht.
Ungefähr die Hälfte aller Befragten erklärte, schon einmal gemobbt worden zu sein. Bei der Art des Mobbings finden sich Beleidigungen doppelt so häufig wie andere Formen, aber auch „Lügen erzählen“, „Auslachen“ und „Bedrohen“ wurden oft genannt. Auffällig ist auch der hohe Wert für den Einsatz körperlicher Gewalt in den Klassenstufen 5 bis 8. Sexuelle Belästigungen kommen am häufigsten in der sechsten Klasse vor.
Der Ort, an dem Mobbing besonders oft geschieht, ist eindeutig der Schulhof, was sich mit den Aussagen zur Unsicherheit in den großen Pausen deckt.
Bei der Reaktion auf das Mobbing fällt auf, dass relativ viele Schüler versuchen nicht zu reagieren. Besorgnis erregend ist aber auch die hohe Anzahl von Schülern, die die Situation durch eigene Beleidigungen oder körperliche Gewalt weiter eskalieren lässt.
Die Aussage, von aufsichtsführenden Lehrern bei Mobbingvorfällen keine oder nicht immer Hilfe bekommen zu haben zeigt deutlich, dass hier Handlungsbedarf  besteht.
Cyber-Mobbing scheint im Alltag der meisten Schüler noch keine große Bedeutung zu haben, obwohl es solche Vorfälle in der 7. Klasse häufiger genannt wurden.
Beleidigungen und das Erzählen von Lügen kommen am häufigsten vor.
Meist spielt sich dies in den Chatbereichen von sozialen Netzwerken (z.B. Facebook und Yappi) ab.
Die gemobbten Schüler versuchen sich oft Hilfe bei Freunden, Eltern oder einem Lehrer zu holen.
In der Regel wissen die Schüler nicht, wer sie mobbt, was die Verunsicherung im Verhältnis zu den Mitschülern eher verstärkt.
Das Kommunizieren des Cyber Mobbing wurde als hilfreich empfunden.
Eine deutliche Mehrheit bekannte sich dazu, nicht nur Opfer, sondern auch Täter zu sein.
In den 3 Monaten der Interventionsphase wurden in den einzelnen Klassen altersentsprechende Vorhaben realisiert, um zum einen die Sensibilität für das eigene Verhalten bei Mobbing/Cybermobbing zu erhöhen und zum anderen Lösungsansätze und Hilfsangebote zu erarbeiten. (siehe Anlage 2).

Die Auswertung der 2.Befragung ergab, dass insgesamt eine positive Entwicklungen zu erkennen ist. Im Detail ergab sich bei den Fragen folgendes Bild:
1.3 / 1.4 An der Häufigkeit der Nutzung des Internets hat sich im Vergleich kaum etwas geändert. Ab der 7. Klasse haben die meisten Schüler ein eigenes Profil in den sozialen Netzwerken. Die Nutzungsdauer hat sich etwas verringert.
1.5 - 1.8 Das Sicherheitsgefühl der Schüler hat sich insgesamt positiv entwickelt. Unsicherheit besteht nach wie vor noch in der 6. Klasse. Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Sicherheitsgefühl der Schüler. Unsicherheiten treten noch am häufigsten in den großen Pausen auf, wie auch schon die erste Befragung ergab.
2.1 / 2.2 Die Tendenz beim Mobbing verweist auf eine leichte Abnahme der Häufigkeit, wobei unklar bleibt, ob die Schüler die Frage nur auf den Zeitraum seit der ersten Befragung bezogen haben oder eher generell beantwortet haben.
2.3 Bei der Art des Mobbings zeigt sich ein Rückgang der Bedrohung und der körperlichen Gewalt. Auch die Zahl der Vorfälle an Orten wie Klassenzimmer und Pausenhof weisen einen Rückgang auf.
2.4 Die Reaktion der Schüler auf das Mobbing hat sich am deutlichsten geändert, denn die Opfer haben sich öfter Hilfe bei Mitschülern und Lehrern geholt, es kam seltener zu Beleidigungen und es wurde weniger Gewalt angewandt.
2.5 Bei der Frage, ob Lehrer geholfen hätten, gibt es nur eine leichte Verbesserung. Zwar hat sich der Zahlenwert für „mir wurde nie vom Lehrer geholfen“ deutlich verringert, jedoch verweist die Häufigkeit der Antwort „manchmal“ hätten Lehrer geholfen, eindeutig auf weiteren Handlungsbedarf im Blick auf eine selbstkritische Überprüfung des Lehrerverhaltens.
Zukünftig sollte gerade in der 6. Klasse besonders sensibel mit Mobbingvorwürfen umgegangen werden und eindeutig darauf reagiert werden.
3.1 / 3.2 Die Zahlen für das Cyber-Mobbing haben sich kaum verändert, jedoch ist das Verbreiten von Lügen, auch in Kombination mit sexueller Belästigung, angestiegen. Dies deckt sich mit den Beobachtungen der Kollegen, dass vor allem in den Klassen sechs und sieben eine Sexualisierung der Sprache vorherrscht, die sich auch beim Cyber-Mobbing wiederfindet.
3.3 Da viele Schüler der 7. Klasse in Chatrooms aktiv sind, überrascht es nicht, dass dort Mobbing zugenommen hat.
3.4 In der Art der Abwehrreaktionen gibt es eine Zunahme im regelkonformen Verhalten, aber auch bei Beleidigungen. Dies ist vermutlich auf die stärkere Sensibilisierung durch die Unterrichtsprojekte zurückzuführen.
3.5 Diese Sensibilisierung lässt sich auch bei der Frage nach der Kenntnis des Mobbenden ablesen. Hier werden jetzt häufiger Mitschüler als Täter benannt.
3.6 / 3.7 Eltern und Lehrer wurden nun öfter über Mobbingvorfälle informiert und der Gemobbte hatte seltener das Gefühl hilflos zu sein.
3.8 Die Schüler schätzen ihr Verhalten in ihrer eigenen Wahrnehmung realistisch ein und sehen sich auch als Täter. Es gibt weniger neue Fälle und auch die Häufigkeit geht geringfügig zurück, was vermutlich auf die gemeinsame Arbeit an diesem Thema zurückzuführen ist.

6. Ausblick
Die intensive Information und Beschäftigung mit dem Thema Mobbing/Cybermobbing im schulischen Rahmen, bewirkte bei vielen Schülern und Schülerinnen der Schule am Hasenhegerweg offenbar zunehmende Kompetenzen, Mobbing als solches zu erkennen und erschloss ihnen Handlungswege und Hilfen falls sie betroffen waren.
Trotz dieser im Wesentlichen positiven Entwicklung ist es notwendig weiter an der Stärkung der sozialen Kompetenz der Schülerschaft zu arbeiten.

Als aktuelle Baustellen müssen wir uns weiterhin mit folgenden Themen  beschäftigen:
·         Die Situation in der großen Pause auf dem Hof in Verbindung mit dem Gefühl der Unsicherheit von Schülern, der wir durch neue Gestaltungsmerkmale entgegenwirken werden.
·         Die Sexualisierung der Sprache unserer Schüler, der wir gemeinsam und mit Konsequenz und Geschlossenheit entgegentreten müssen.
·         Das Lehrerverhalten beim Mobbing, das auch Verdachtsmomenten nachgehen muss und das Hilfsangebote einschließt, auch in stärkerer Kooperation innerhalb des Kollegiums.
·         Probleme in bestimmten Klassen (z.B. Klasse 6), die gezielt wahrgenommen und bearbeitet werden müssen.

Die Teilnahme am Bonus Programm Berlin ermöglicht es der Schule konsequent am Thema „Respektvoller Umgang miteinander“ weiter zu arbeiten. Der Schwerpunkt beim Einsatz der Mittel und Ressourcen wird in die Stärkung der Teamfähigkeit, der Konfliktfähigkeit und des Umgangs miteinander fließen.



7. Literaturangaben

* Notfallpläne
* Informationsschreiben SenBJW: Umgang mit Gewaltvorfällen
* „Was tun bei Cyber-Mobbing?“ Materialien für den Unterricht; klicksafe.de
* Informationen für Eltern zum Umgang mit Cyber-Mobbing;
Hrsg.:Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (Lisum) 2013
* Zeit für die Schule, kostenloses Unterrichtsmaterial für die Grundschule und die Sekundarstufe I
* www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybermobbing
* mobbing-schluss-damit.de/
* www.internet-abc.de
* „Du bist smart“, Fa. Minhoff, Antje Minhoff

 
 
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